michaelkrismeraufbahrung

 

Ein Herz, das fast 52 Jahre für die Pfarre St. Josef da war,
hat aufgehört zu schlagen.

 

michaelkrismer2014

 

"Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt."
Ps 69,10

  




Am Fatimatag, den 13. März 2015 - um ca. 15:00 Uhr (= die Barmherzigkeitsstunde) ist unser lieber Pfr. P. Michael Krismer beim Beten des Breviers selig eingeschlafen...





Er hinterlässt ein großes Loch - auch in unseren Herzen ...

 

Nachruf P. Michael Krismer CMM P. Michael Krismer (Taufname Alfred), geboren am 4. Oktober 1924, war der älteste von 6 Geschwistern einer sehr bescheiden lebenden Bauersfamilie aus Stanz. Sein jüngster Bruder Eugen ist ebenfalls wie er Priester bei den Mariannhiller Missionaren. Alfred hat die Volksschule in Stanz besucht und arbeitete in den Kriegsjahren in der elterlichen Landwirtschaft. 

Die 6 Kinder haben leider früh ihre Mutter verloren. Sie starb bereits 1942 im Alter von 47 Jahren. In den Kriegsjahren arbeitete Alfred auch als Beisenn auf der Alpe Tanun. Anschließend ließ er sich in Saalfelden als Sanitäter ausbilden und musste einrücken. In dieser Funktion als Sanitäter wurde er 1944 in Polen im Krieg gefangen genommen und kehrte erst im September 1947 aus der Gefangenschaft in Rußland zurück. In der Gefangenschaft gelobte er, wenn er wieder gesund nach Hause kommt, zu Fuß nach Einsiedeln zu gehen.

Nach der Heimkehr löste er dieses Gelöbnis ein und machte sich trotz einer Knieverletzung, die er sich bei der Arbeit in der Landwirtschaft zugezogen hatte, auf den Weg. In den folgenden Jahren arbeitete er wieder in der elterlichen Landwirtschaft und erwog auch diese von seinem Vater zu übernehmen. Auch in dieser Zeit war er voller Tatentrang, baute den Bauernhof um und engagierte sich im Stanzer Dorfleben. Er war Mitglied der Musikkapelle Stanz und spielte die S-Klarinette, gründete eine Theatergruppe, in der er selber mitspielte. Unter anderem wurde das Stück „Die drei Dorfheiligen" aufgeführt. In diesen Jahren ereilte ihn der Ruf zum Priesteramt. Er hatte lange um eine Entscheidung gerungen, da er ebenfalls sehr gerne die elterliche Landwirtschaft übernommen hätte.
An Silvester 1950 hat er sich schlussendlich bei einer Wallfahrt nach Kronburg für das Priesteramt entschieden.

1951 schulte er im Aufbau-Gymnasium in St. Georgen am Längsee ein und holte die Matura nach. 1954 trat er in Riedegg (Oberösterreich) bei den Mariannhiller Missionaren ein, am 3. Oktober 1955 feierte er dort seine Profeß. Seine theologischen Studien absolvierte P. Michael in Würzburg im ordenseigenen Seminar und Hochschule. Während der Studienzeit verdiente er sich das nötige Studiengeld bei Grenzvermessungsarbeiten in Vorarlberg.

Am 29. Juni 1960 wurde er in Innsbruck von Bischof Paulus Rusch zum Priester geweiht. Kurz nach seiner Weihe besuchte er für mehrere Wochen das Hl. Land Israel, immer wieder berichtet er von diesem Aufenthalt und zeigt uns viele Dias, die er dort gemacht hatte. Bald danach vom Orden nach Rhodesien (heute Zimbabwe) in Afrika in die Mission entsandt. Am 7. März 1961 trat er diesen Dienst in Bulawayo an. In der Hauskapelle der Dominikanerinnen feierte er seine erste heilige Messe auf afrikanischem Boden. Die Missionare von Mariannhill wollten in Landeck ein kleines Seminar und ein Heimschülerinternat errichten, der damalige Provinzial, P. Berthold Mayr - sehr bekannt als einer der ersten Radio- und Fernsehpriester - bat Bischof Rusch um Übertragung der Seelsorge für die damals im Bau befindliche neue Pfarrkirche St. Josef. Bischof Rusch erfüllte den Mariannhillern diesen Wunsch - mit der Auflage verbunden, dass der Pfarrer ein „Einheimischer“ sein müsse.

Da P. Michael - gebürtig aus Stanz - der Näheste war, wurde er von P. Mayr daher wieder zurückgerufen. Übrigens hat der Landecker P. Alexander Rödlach SVD nach seiner Weihe 1990 ebenfalls in Afrika seine Missionstätigkeit begonnen und war in einer Nachbarpfarrei, wo P. Michael vor ihm war, und berichtet mir von einer Glocke einer Kirche, die P. Michael dort gesegnet hat.
Sein Wirken als Priester war geprägt durch ausgeprägte Treue zum Lehramt, große Verehrung der und der Herz-Jesu Verehrung und durch starke, hoffnungsfrohe marianische Frömmigkeit – er war ein großer Marienverehrer. Seit dem 4. August 1963 war die Pfarre St. Josef „sein“ Missionsgebiet, das er als leidenschaftlicher Afrikamissionar gegen Rhodesien eintauschen musste, denn er wäre - seinen Worten zu urteilen - lieber in Afrika geblieben. P. Michael war mit seinen 90 Jahren nicht nur der älteste aktive Pfarrer der Diözese Innbruck, sondern auch wahrscheinlich der einzige, der annähernd 52 Jahre in ein und derselben Pfarre war. Bischof Reinhold Stecher hat ihn 1988 zum „Bischöflichen Geistlichen Rat“ (Consiliarius) ernannt, er war einige Jahre im Priesterrat der Diözese und geschätzter Ratgeber seiner Priesterkollegen.
Er war geschätzt und beliebt bei Alt und Jung, am meisten konnte er sich über eine volle Kirche und viele Ministranten freuen. Gerade die Minstranten der ersten Jahrzehnte, aus den 60-iger bis in die 80-iger Jahren, heute zT schon in Pension, mit denen er wochenlange Ausflüge zum Skifahren nach Galtür, Zeltlager am Blindsee oder ans Meer nach Cavalino machte, sie zehren heute noch von diesen sehr prägenden Stunden mit ihm, und sind über seinen Heimgang traurig. Mindestens zwei seiner Ministranten sind ihm bis heute als Priester nachgefolgt, Kpl. Thomas Ladner (Weihe 2009) und P. Stefan Geiger OSB (Abtei Schäftlarn) (Weihe 2013) .
Er initiierte schon früh eine in gewisser Hinsicht revolutionär Art der Seelsorge - nämlich die Familienpastoral. Er baute ab 1980 fünf Familienrunden auf, traf sich jeden Monat über 30 Jahre lang in und mit diesen Familien. Diese Art der Pastoral war ihm ein Herzensanliegen, die Familien auf ihrem nicht immer einfachen Weg mit dem Glauben und der Kirche zu leiten und zu führen.
Begleitend zu diesen Familienrunden organisierte er immer wieder Einkehrtage speziell für die Familien. Unermüdlich warb er Familien für die Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens und für die Herz-Jesu Thronerhebung. Sehr wichtig waren ihm Wallfahrten nach Kaltenbrunn zum Rosenkranzsonntag, oder die Monatswallfahrten zu den Bitttagen oder Fatimatagen zur Burschlkirche, die erste dieser Art fand am 13.10.1978 statt.
Ebenso gehörten Tagesausflüge als Pfarrwallfahrten mit dem Bus zu Pilgerorten in ganz Südtirol und nach Rom zu seiner Initiative. Diese Fahrten nach Rom zum Zentrum der Katholischen Kirche begannen 1983, fanden fast jährlich statt und hörten erst im Heiligen Jahr 2000 umständehalber auf, da die beginnenden Mühen des Alters solche Wallfahrten nicht mehr zuließen. 1996 bot er sogar eine solche Wallfahrt nach Fatima an (ich glaube, da ist er zum ersten und zum letzten Mal mit dem Flugplatz gereist) Er war ein äußerst korrekter Liturge – bis hin zu laufendem und stets passenden Wechsel der Farben der Altartücher und Wandbehänge – immer an die Festzeit oder dem Anlass angepasst. Dies war ihm sehr wichtig, da gab es keine Abstriche.
Ebenfalls war P. Michael ein eifriger Beichtvater, er wurde bis zum Schluss nicht müde - für viele fast schon zu oft - für die „Freundschaftserneuerung mit Jesus“, für die Beichte zu werben. Besonders unermüdlich war er im Gestalten von eigenen Liedtexten für alle Sonn- und Feiertage aller drei Lesejahre und Hochfesten, Roraten, Marienmessen, Herz-Jesu-Messen, auch im Erstellen selbst verfasster Liedtexten zu bestimmten Festen, um den Festcharakter besser hervorzuheben. Nicht weniger engagiert und unermüdlich war er im Zusammenstellen von Andachten, Kreuzwegen, Anbetungsstunden.
Die erste Gründung einer Gruppe der Legio Mariens (1921 in der Republik Irland entstandene katholische Laienorganisation) in der Pfarre war schon 1967. In der „Blütezeit“ gab es gar drei Gruppen aktiver Legionäre in der Pfarre. Seit vielen Jahren werden die Kurienversammlungen der Legio Mariens in unserem Pfarrsaal abgehalten. Kurienversammlungen sind gemeinsame Treffen von Präsidien (Gruppen) einer größeren Region. Durch seine marianische Ausrichtung hatte P. Michael schon früh Kontakt zur marianischen Priesterbewegung, für deren Cönakeltreffen er immer unseren Pfarrsaal zur Verfügung stellte. Einmal besuchte dieses Cönakeltreffen unserer Pfarre der damalige, und jetzt emeritierte Erzbischof Alois Kothgasser, der uns zu seinem Requiem ganz überraschend mit seinem Mitfeiern beehrte. Es gab für ihn keine hl. Messe (auch Wochentags) ohne Ansprache, ohne seinen tiefen Gedanken, er hat kein kirchliches Fest ausgelassen, war wahrer Hirte und Seelsorger, der täglich in langen Anbetungsstunden für die ihm anvertrauten Seelen im Gebet verharrte und machte sich oft und lautstark Sorgen über das Weltgeschehen, obwohl er weder einen Fernseher oder ein Radiogerät besaß. 
Zwei Pfarrmissionen fallen in seine Amtszeit, hat er initiiert, 1972 und 2000 jeweils durch Redemptoristenpatres aus Innsbruck. Eine dreiwöchige ewige Anbetung aus Anlass der Pfarrmission 1972 war für ihn die Initialzündung der bis heute monatlich abgehaltener Herz-Jesu Nachtanbetungen. Unzählige Stunden verbrachte er in diesen Nächten – sowie jeden Tag in der Früh vor dem ausgesetzten Allerheiligsten und brachte sein Opfer für seine ihm anvertraute Pfarrfamilie dar. Seit dem Jahr 2000 begann er zusätzlich wöchentliche Anbetungsstunden jeden Samstag abend in der Meinung um Priesternachwuchs, um geistliche Berufungen.
Er feierte bis letztes Jahr in einigen Kapellen im Pfarrgebiet regelmäßige Gottesdienste, bis 1972 hielt er in der Perfuchsberger Oberhöfkapelle wöchentliche Schulgottesdienste (für die damalige VS Perfuchsberg), bis in die frühen 1980-iger Jahre gab es allein als Vorbereitung auf das Lichtmessfest dreitägige Einkehr- und Vorbereitungstage, meist im Abt Franz Pfanner Heim der Mariannhiller.
In alten PGR Protokollen lesen wir von einer Einführung einer „Stillen Messe“ jeden Sonntag um 7 Uhr früh (!!) am 1.11.1974, um „einem immer stärker aufkommenden Bedürfnis nach Meditation nachzukommen...“ Unvergesslich die täglichen Roraten im Advent, die Kreuzwege in der Fastenzeit, die Halleluja-Ämter in der Osteroktav, die Bittgänge zur Burschlkirche. Bis zuletzt lud er zu Bibelrunden einmal im Monat ins Widum. Viele Jahre hindurch hielt er jeden Sonn- und Feiertag drei Sonntagsgottesdienste, beginnend um 9 Uhr, dann um 11 Uhr ein Familiengottesdienst, und abends um 19,30 Uhr ein Gottesdienst. Seit einigen Jahren mussten wir altersbedingt „zurückschrauben“, der Sonntag Abendgottesdienst blieb aber zur Freude sehr Vieler erhalten.
Weltliche Dinge waren nicht seins, dafür hatte er sehr viele und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, eifrige Helfer vom Kirchenputz bis Bürotätigkeiten – sein Platz war stattdessen in der Kirche vor dem Tabernakel. Er war immer voranschreitend, die Ideen und die Richtung vorgebend, diese Wege behaltend, nicht abweichend, stets treu zu uns, zu sich und zu Gott. Die letzten Jahre etwas ruhiger, „Macht nur“ - sagte er immer, „ich bete.“ 

Parte P Michel Krismer klEin jüngerer Priester aus Deutschland, der ihn gut kannte, den wir über seinen Heimgang informiert haben, schrieb zurück; „...ein Priester von seltener Strahlkraft.“ Dies ist ein sehr treffender Gedanke, Strahlkraft - ja das besaß er, vor allem wenn es darum ging, uns Schafen ein treuer und aufrichtiger Hirte zu sein. Ja, er war wohl eine außergewöhnliche Priesterpersönlichkeit, leise, bescheiden, zurückhaltend - wenn es um weltliche Dinge ging. Umso kräftiger, umso lauter eifriger in seinen Gottesdiensten und Katechesen. Für Gott lohnt es sich, sich anzustrengen, Mühsal und Opfer auf sich zu nehmen, nicht müde zu werden in der Verkündigung. 

 

Die ersten Jahre in Afrika in der Mission, fast 52 Jahre nun in St. Josef, in unzähligen Gottesdiensten, Feiern, Gesprächen, Katechesen, Predigten. Immer für uns da zu sein, sei es für die Schul- und Erstkommunionkinder in langjährigen Religionsunterricht in der Volksschule, sei es für die Ministranten, die ihn liebten und schätzten wie einen Vater, für die Jungscharmädchen und -buben, für die Familien, für Einsame, für fröhliche und trauernde Menschen, für jung und älter einfach für jeden - das war sein Leben. Ein Tag ohne die Feier der Eucharistie wäre für ihn nicht vorstellbar gewesen, lediglich krankheitsbedingt, wenn er wirklich mal krank war und so gar nicht aus dem Bett kam, musste er schweren Herzens darauf verzichten.

Kein Tag verging in seinem Leben ohne eucharistischer Anbetung. Ebenso gab es keinen Tag ohne besondere Ehrung der Muttergottes, ohne dem Beten des Rosenkranzes. Nur zu gut passt der Vers 10 aus dem Psalm 69 auf sein Leben: „Denn der Eifer für dein Haus hat mich verzehrt.“ Mehr Worte kann man über sein Priesterleben nicht verlieren
So leise und bescheiden er in seinem Leben war, so unbemerkt verließ er uns, ging er zu Gott - während dem Gebet des Stundengebets - holte ER ihn heim, friedlich, still, allein. Wir sind uns sicher: für uns ein Fürsprecher mehr im Himmel. So empfehlen wir Gott seine Seele, er möge ihn an sein Herz holen - das er so verehrte.